Übung 1 · Die 60-Sekunden-Story
Die Grundlage ist Fuchs’ wichtigste Übungs-Empfehlung: „Die besten Geschichten sind die eigenen“ — eigene Erlebnisse, Erfahrungen und Beobachtungen festhalten und erzählen, unzensiert und ohne die Absicht, alles davon je zu verwenden. Der 60-Sekunden-Rahmen ist unsere eigene Zuspitzung fürs Videoformat: kurz genug, dass niemand vorbereiten kann (und muss), lang genug für einen Spannungsbogen. Die Auswertungsfrage „Wann wurde es spannend?“ ist der heimliche Kern der Übung — sie liefert den Wendepunkt-Begriff, bevor er je definiert wurde.
Dazu passt Fuchs’ Maradona-Bild: Wie der junge Maradona mit allem Fussball spielte, was kleiner als ein Kochtopf und irgendwie rund war, sollen Erzähler jede Alltagsgelegenheit zum Üben nehmen — die Rechnung, die E-Mail, das Telefonat, die Reklamation. Überall wartet eine kleine Geschichte darauf, entdeckt und verbessert zu werden.
Übung 2 · Die Geschichten-Jagd (Beobachten)
Direkt aus Fuchs’ Übungsteil zum Beobachten: Bei Wartezeiten „den Schalter auf Entertainment stellen“ und beobachten, wie Menschen Zwangspausen überbrücken — als Zusatz die Wartenden typisieren. Im öffentlichen Verkehr das Smartphone ausschalten, gelegentlich ganz zu Hause lassen. Für den Kursraum übersetzt: drei Mini-Geschichten im Raum oder am eigenen Handy-Feed finden. Wichtig dabei: Beobachten ist bei Fuchs nicht Vorstufe, sondern Fundament — „Am Anfang steht nicht das Wort, am Anfang steht das Sehen.“
Stolpersteine, die Fuchs nennt: von Einzelfällen nicht vorschnell auf Gesetze schliessen — und beim Interpretieren die eigene Stimmung und den Kontext nicht ausblenden.
Übung 3 · Das Storytelling-Notizbuch
„Meine Beobachtungen halte ich trotz Technikaffinität noch immer in einem kleinen roten Notizbuch ohne Linien fest. Wofür entscheiden Sie sich?“Fuchs, S. 26
Fuchs’ Werkzeugkasten-Empfehlung Nummer eins — und die Frage am Ende geht direkt an dich: Papier oder App, Hauptsache ein fester Ort. Hinein gehören kopierwürdige Minigeschichten, gute Titel, aussergewöhnliche Wörter und Sätze. Viele bekannte Schriftsteller trugen ständig ein Notizbuch bei sich; Fuchs ergänzt, dass handschriftliches Übernehmen lernwirksamer ist als Abtippen, weil mehr Gehirnareale beteiligt sind. Als Starter-Aufgabe eignet sich seine Zitate-Übung: ein Zitate-Portal besuchen, zu „Glück“, „Geld“ und „Geschichten“ je mindestens drei Zitate auswählen und eintragen — und später im Kurs prüfen, ob du sie immer noch wählen würdest.
Fürs Dranbleiben: zwei Warnungen aus dem Buch
Erstens die Radiomoderatoren-Anekdote: Sprecher sollten den Satz „Der Himmel ist blau“ auf zwanzig Arten formulieren — abgegeben hat am Ende nur der, der die Übung am wenigsten nötig hatte. Übungseinheiten lassen sich nicht delegieren, und Begeisterung entscheidet. Zweitens Fuchs’ Stolperstein Perfektionismus: nicht für andere üben, sondern für sich — lieber weniger, dafür regelmässig. Beide Warnungen lohnt es sich im Kopf zu behalten, wenn du das Notizbuch als Dauerauftrag über den Kurs hinaus mitnimmst.
Quellen: Fuchs, Crashkurs Storytelling, Kap. 1.1 (Übungen & Werkzeugkasten Beobachten, S. 26), Kap. 1.2 (Zitate-Übung, Schriftsteller-Notizbuch, S. 27–28), Kap. 1.3 (eigene Geschichten, Maradona, Radiomoderatoren, Stolpersteine, S. 30).